Mühlenfestival und Mühlenwanderweg im Rheingau
Zwischen Winkel und Marienthal liegt ein schmales Seitental, durch das der Elsterbach läuft. Wo heute Weinberge und Wald sind, trieb der Bach jahrhundertelang Mühlräder an – sechs dieser Mühlen stehen noch, und in allen sechs wird inzwischen Wein gemacht statt Korn gemahlen. Einmal im Jahr öffnen sie am selben Tag: das Mühlenfestival. Den Rest des Jahres verbindet sie der Mühlenwanderweg.
Das nächste Mühlenfestival
Das Mühlenfestival findet traditionell an einem Sonntag Ende August statt. Sobald der neue Termin feststeht, steht er hier – aktuell führt der schnellste Weg zur Bestätigung über die offizielle Festivalseite. Der Mühlenwanderweg selbst ist ganzjährig begehbar.
Die Route auf der Karte
Klicke auf einen Marker oder eine Mühle in der Liste darunter. Die eingezeichnete Linie ist die direkte Fußverbindung der sechs Mühlen – rund 3,5 Kilometer von Winkel hinauf nach Marienthal.
Die sechs Mühlen, von unten nach oben
In dieser Reihenfolge liegen sie am Bach – wer in Winkel startet, läuft sie so ab. Die Angebote beziehen sich auf den Festivaltag.
Krayers Mühle
Pforzheimer Mühle 2, 65375 Oestrich-Winkel
Erbaut 1589 von einem Mainzer Bürger, der sie schon vier Jahre später weiterverkaufte. Die Familie Schmitt bewirtschaftete sie ab 1690 in Erbpacht; 1866 ersteigerte der Nachbarmüller Michael Krayer die Mühle für seinen Sohn. Seitdem ist sie ohne Unterbrechung in Familienbesitz.
- Am Festivaltag
- Rheingauer Klassiker: Spundekäs und Winzerweck, Quiche, gebratener Handkäs und Burger. Dazu Weine aus eigenem Anbau.
- Musik
- Ab 15:00 Uhr DJ Peter Latino.
- Anfahrt
- Parkplatz am Haus.
Liegt am Ortsausgang von Winkel und ist damit der natürliche Startpunkt, wenn du den Wanderweg von unten nach oben gehst.
Ankermühle
Ankermühle 1, 65375 Oestrich-Winkel
Erstmals Mitte des 14. Jahrhunderts erwähnt, versteckt in den Weinbergen oberhalb von Winkel. 1891 kaufte Karl Eiser die Mühle; seine Familie führte sie über vier Generationen und stellte den Kornmühlenbetrieb zugunsten des Weinbaus ein. Seit 2008 gehört das Anwesen Birgit Hüttner und Holger J. Bub.
- Am Festivaltag
- Schwäbische Heimatküche: Maultaschen – auch vegetarisch – und Oberländer Bratwurst, beides mit Kartoffelsalat, dazu Tellersülze mit Kräuter-Dip und Apfelkompott mit Vanilleeis.
- Dazu
- Getränke abseits des Rheingauer Kanons: Weine vom Bodensee, Ankermühle Spritz, alkoholfreie Garten-Bowle sowie Riesling-Vermouth und Walnusslikör aus eigener Herstellung.
- Anfahrt
- Parkplatz am Haus, Zufahrt von Winkel über den Kapperweg.
Johannishof / Brückenmühle
Grund 63, 65366 Geisenheim-Johannisberg
Das Anwesen geht auf 1790 zurück, der Weinbau der Familie Eser lässt sich bis 1685 zurückverfolgen. Dass am Elsterbach überhaupt Wein wächst, ist noch deutlich älter belegt: Kaiser Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, erwähnt es bereits 817 urkundlich.
- Am Festivaltag
- Deftiges für zwischendurch: Vesperteller, hausgemachtes Gulasch, Flammkuchen und Linsensuppe. Dazu Weine und Sekte aus eigenem Anbau.
- Dazu
- Stündliche Kellerführungen.
- Anfahrt
- Anfahrt aus Richtung Wiesbaden über die B42, Ausfahrt Johannisberg, rund 500 m nach Ortseingang links.
Liegt nur wenige Schritte von der Schamari-Mühle entfernt – die beiden lassen sich in einem Zug besuchen.
Schamari-Mühle
Grund 65, 65366 Geisenheim-Johannisberg
Bis 1593 gehörte das Grundstück zum Kloster Johannisberg. Heinrich Schamari erbaute 1816 das heutige Anwesen, nachdem er die Mühle von den Erben des Müllers Johann Klein erworben hatte. Bis 1929 wurde hier gemahlen, danach stellten die Besitzer auf Weinbau um und bauten die Mühle zum Gutsausschank aus.
- Am Festivaltag
- Streetfood: Pulled Pork in the Box mit Coleslaw und BBQ-Sauce, Bratwurst mit Kartoffelsalat und Penne all'Arrabiata. Dazu Weine aus eigenem Anbau.
- Musik
- DJ und Livemusik, zum Abschluss Closing-Party mit Liveband von 18:00 bis 20:00 Uhr.
- Anfahrt
- Parkplatz im Grund, gemeinsam mit der Brückenmühle.
Wer die Runde entspannt ausklingen lassen will, plant hier den letzten Stopp – die Musik läuft zwei Stunden länger als das offizielle Festivalende.
Weihermühle
Weihermühle 1, 65366 Geisenheim-Marienthal
Erstmals 1339 erwähnt, damals eine Getreidemühle in klösterlichem Besitz. 1803 übernahm der Müller Franz Josef Daniel das Anwesen – seither wird hier Wein angebaut. Die Getreidemühle lief noch bis 1937 weiter; seit April 2025 führt die Familie Jung aus Marienthal das Weingut.
- Am Festivaltag
- Rheingauer Spezialitäten: hausgemachter Kochkäse und Spundekäs, Mühlenburger sowie überbackener Feta oder Tofu mit Grillgemüse und Couscous-Salat. Dazu eigene Weine, Hefeweizen und alkoholfreie Getränke.
- Musik
- 13:00 – 18:00 Uhr Gregori.
- Dazu
- Rund um den Weiher leben Schottische Hochlandrinder, Gänse und Pferde – am Festivaltag sind sie zu besuchen.
- Anfahrt
- Parkplatz am Haus.
Die gemütlichste Station für Familien: Holzhütte am Weiher, Tiere ringsum, Wald und Wiesen statt Weinbergszeile.
Ostermühle
Ostermühle 1, 65366 Geisenheim-Marienthal
1704 als „Sternmühle“ von Graf von Ostein erbaut. Um 1800 verkaufte er sie an Christian Ostern, dessen Name der Mühle bis heute geblieben ist. Seit 1869 gehört sie der Familie Daniel, die den Mühlenbetrieb Ende des 19. Jahrhunderts aufgab und sich Ende der 1980er Jahre ganz auf den Weinbau verlegte.
- Am Festivaltag
- Gegrilltes vom Holzgrill: Steak, Bratwurst und Spießbraten, dazu Käsewürfel und Laugenbrezel. Ab 11:00 Uhr Kaffee und Kuchen. Getränke: eigene Weine, gezapftes Bier und alkoholfreie Getränke.
- Dazu
- Sitzgelegenheiten auf der Wiese am Elsterbach, Kinderspielplatz und Hüpfburg.
- Anfahrt
- Großer Parkplatz am Haus.
Der obere Endpunkt der Runde – und für alle, die von oben nach unten laufen wollen, der bequemere Startpunkt.
Der Mühlenwanderweg
Die sechs Mühlen sind die Stationen, der Mühlenwanderweg ist der Rahmen drumherum. Er läuft als große Runde durch Weinberge und Wald oberhalb von Johannisberg und lässt sich in zwei kleinere Schleifen teilen: die kurze Weinbergsrunde mit den Ausblicken über den Rhein und die längere Waldrunde durchs Elsterbachtal. Empfohlen wird die Gehrichtung im Uhrzeigersinn – dann liegen die Anstiege am Anfang und der Abstieg auf den letzten Kilometern.
Am Festivaltag muss es die große Runde nicht sein. Die Mühlen selbst liegen dicht beieinander; wer sie der Reihe nach abläuft, kommt auf rund 3,5 Kilometer in eine Richtung. Zwischen Ankermühle und Grund geht es spürbar bergauf, festes Schuhwerk ist also sinnvoller als Sneaker – Teile des Wegs sind unbefestigt.
Der Mühlenwanderweg in Zahlen
12,1 km
große Runde
4,8 km
Weinbergsrunde
7,3 km
Waldrunde
155 Höhenmeter
Anstiege insgesamt
ca. 3 Stunden
reine Gehzeit, ohne Pausen
Im Uhrzeigersinn
empfohlene Richtung
Anreise und Parken
Mit dem Auto führt der Weg aus Richtung Wiesbaden über die B42 und die Ausfahrt Johannisberg in den Grund, aus Richtung Winkel über den Kapperweg zu den beiden unteren Mühlen. Jede Mühle hat einen Parkplatz am Haus, die Ostermühle einen großen – trotzdem gilt am Festivaltag: einmal parken, den Rest zu Fuß. Das Tal ist eng, und sechsmal umzuparken kostet mehr Zeit als der Fußweg.
Ohne Auto geht es genauso gut: Vom Bahnhof Geisenheim sind es rund drei Kilometer bis in den Grund. Nach einem Nachmittag mit Riesling ist das ohnehin die klügere Anreise.
Häufige Fragen
Wann ist das Mühlenfestival 2026?
Am Sonntag, 30. August 2026, von 11:00 – 18:00 Uhr. Alle sechs Mühlen im Elsterbachtal zwischen Winkel, Johannisberg und Marienthal öffnen an diesem Tag gleichzeitig.
Wie lang ist die Strecke zwischen den sechs Mühlen?
Die Mühlen liegen auf rund 3,5 Kilometern Fußweg aufgereiht, von Krayers Mühle in Winkel hinauf zur Ostermühle in Marienthal – hin und zurück also etwa sieben Kilometer. Wer stattdessen die große Runde des Mühlenwanderwegs geht, ist bei 12,1 Kilometern und 155 Höhenmetern rund drei Stunden reine Gehzeit unterwegs.
Kostet das Mühlenfestival Eintritt?
Die Veranstalter weisen keinen Eintritt aus – bezahlt wird das, was an den Mühlen bestellt wird. Verbindlich ist die offizielle Festivalseite muehlenfestival-rheingau.de.
Kann ich mit dem Auto zu den Mühlen fahren?
Jede Mühle hat einen eigenen Parkplatz, die Ostermühle einen großen. Am Festivaltag füllen sich die Plätze im engen Elsterbachtal aber schnell. Sinnvoller ist, einmal zu parken – etwa an der Ostermühle oder an Krayers Mühle – und die übrigen Mühlen zu Fuß anzuhängen.
Komme ich ohne Auto hin?
Ja. Vom Bahnhof Geisenheim sind es rund drei Kilometer bis in den Grund; von Winkel aus führt der Kapperweg direkt zu Krayers Mühle und zur Ankermühle. Für die Rückfahrt nach einem Weinnachmittag ist das ohnehin die entspanntere Variante.
Ist die Runde etwas für Familien mit Kindern?
Die Strecke zwischen den Mühlen ist gut begehbar, aber nicht durchgehend kinderwagentauglich. Für Kinder lohnen vor allem die Ostermühle mit Spielplatz, Hüpfburg und Wiese am Elsterbach sowie die Weihermühle mit ihren Hochlandrindern, Gänsen und Pferden.
Kann ich den Mühlenwanderweg auch außerhalb des Festivals gehen?
Ja, der Mühlenwanderweg ist ganzjährig ausgeschildert. Außerhalb des Festivaltags haben die Mühlen allerdings unterschiedliche Öffnungszeiten – vor der Tour lohnt ein Blick auf die Website des jeweiligen Weinguts.